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Der “kühne Reiher” ist gelandet

So schnell kann die Zeit vergehen. Es ist April und es gibt wieder eine neue Ubuntu-Version: Ubuntu 8.04 Hardy Heron (zu deutsch: der kühne Reiher), die die Version 7.10 ablöst.
Ubuntu ist eine Linux-Distribution, also eine Alternative zu Windows. Ich möchte hier nicht groß in die Windows-vs-Linux-Diskussion einsteigen, da es – meiner Meinung nach – Jedem frei steht sich für ein Betriebssystem seiner Wahl zu entscheiden.
Ich hatte bereits ein paar Anläufe in Richtung Linux auf dem Desktop mit Suse unternommen, aber so richtig konnte mich erst Ubuntu als Desktop-Linux überzeugen (als Server und Firewall setze ich Linux schon viele Jahre ein).
Wer keine Angst davor hat mal eine kostenlose Alternative zu Windows auszuprobieren sollte sich Ubuntu auf jeden Fall mal angucken. Das geht mit der neuen Version sogar recht einfach (dazu später mehr).

Canonical (die Firma des südafrikanischen Millionärs Mark Shuttleworth), die sich für die Entwicklung von Ubuntu verantwortlich zeichnet veröffentlicht alle halbe Jahr eine neue Version. Daher kommt auch die Versionierung der Distribution: 8.04 bedeutet, dass die Version im April 2008 veröffentlicht wurde.

Hardy Heron ist eine Ubuntu-Version mit Long Time Support, d.h. Canonical garantiert die Desktop-Version drei Jahre und die Server-Version fünf Jahre lang mit Updates zu versorgen, was diese Version besonders für Firmenkunden interessant macht. So laufen z.B. die Laptops der Lufthansa-Piloten unter Ubuntu.

Ubuntu zeichnet sich durch eine sehr hilfsbereite (deutschsprachige) Community aus, die auch Anfänger unterstützt sich mit dem Betriebssystem zurecht zu finden.

Da Ubuntu freie, offene Software (von den proprietären Treibern und einigen wenigen Paketen mal abgesehen) ist wird diese in anderen Projekten weiter entwickelt, bzw. an spezielle Bedürfnisse angepasst.
Die wichtigsten Ubuntu-Derivate sind:

  • Kubuntu (mit dem KDE-Desktop anstatt Gnome)
  • Xubuntu (mit dem schlanken XFCE-Desktop)
  • Edubunutu (eine Distribution speziell für Schulen mit Lernsoftware)
  • Mythbuntu (Ubuntu als Mediacenter mit MythTV)
  • Ubuntu Studio (Ubuntu mit einem Echtzeitkernel als Sound-Studio)

Das es sich bei Hardy Heron wie bereits erwähnt um eine LTS-Version handelt gibt keine großen Neuerungen, der Hauptaugenmerk lag auf Stabilität und Benutzerfreundlichkeit.

Hier die Liste der wichtigsten Neuerungen:

  • Kernel 2.6.24 (neue WLAN-Treiber, verbesserte Stromsparmechanismen)
  • Gnome-Desktop Version 2.22
  • Firefox 3 (beta – die Final kommt im Juni 2008)
  • OpenOffice 2.4
  • Brasero (eine Brennsuite unter Gnome)
  • Transmission (in den Desktop integrierter BitTorrent-Client)
  • VNC-Client Vinagre
  • PulseAudio als Soundserver (lässt sich über Plugins erweitern)
  • PolicyKit (als Ersatz für sudo)
  • Wubi (zur Installation unter Windows)

Wer Ubuntu ausprobieren möchte kann sich die Live CD direkt von den Canonical-Servern oder via BitTorrent herunter laden. Nachdem das Image auf eine CD gebrannt wurde kann man den Rechner davon booten und das Live-System starten.

Im Live-System kann man Ubuntu testen um zu sehen ob man mit der Software überhaupt klar kommt oder auch ob Ubuntu die Hardware richtig erkannt hat. Brandneue oder auch exotische Hardware machen unter Linux oft Probleme.
Das Live-System ist im Vergleich zu einer Installation auf der Festplatte extrem langsam, da alle Daten von der CD nachgeladen und entpackt werden müssen.
Aus dem Live-System heraus kann man Ubuntu auf der Festplatte installieren, dabei hat man die Möglichkeit eine bestehende Windows-Partition zu verkleinern (oder zu löschen ;-) ).
Ich habe Ubuntu auf einer extra Festplatte installiert, von dem her kann ich nicht viel zu dem Parallelbetrieb auf einer Platte sagen, aber dies scheint überhaupt keine Probleme zu bereiten. Ubuntu richtet Grub als Bootmanager ein, man kann dem Einschalten des Rechners also per Menu wählen welches Betriebssystem man starten möchte.

Neu in Hardy Heron ist Wubi. Wubi ermöglicht die Installation von Ubuntu innerhalb von Windows, sei es wie oben beschrieben auf eine extra Partition als eigenständiges Betriebssystem oder als “Programm” innerhalb von Windows. Bei einer Installation innerhalb von Windows funktionieren allerdings die Stromsparmodi Hibernate und Suspend nicht, was für Laptop-User sicherlich ein Manko ist. Das Windows-Dateisystem wird nach /host gemountet

Mein erster Eindruck vom kühnen Reiher ist durchaus positiv. Nautilus ist (auch beim Zugriff auf Serverfreigaben) um einiges flotter als in der alten Version. Dies scheint daran zu liegen, dass Gnome nicht mehr GnomeVFS sondern das virtuelle Dateisystem GVFS verwendet. Lediglich ein gstreamer-Plugin zur Vorschau von Videos funktioniert nicht mehr richtig.
Der Desktop scheint eh flüssiger zu laufen und die Programme starten schneller (das ist allerdings nur eine subjektive Wahrnehmung). Lediglich der X-Server scheint beim Start etwas länger zu brauchen.
Das sensors-Applet zeigt jetzt auch die Kerntemperatur der Grafikkarte an. Brasero macht einen guten Eindruck und könnte bei mir K3b (das ich bisher zum Brennen verwendet habe) ablösen.
Der neue Firefox gefällt mir sehr gut und ist recht flott unterwegs.
Kurzum: Canonical (und all die anderen Projekte) hat gute Arbeit geleistet und es lohnt sich (auch für Linux-Neulinge) den kühnen Reiher ein Mal näher anzuschauen.

Weitere Testberichte bzw. erste Eindrücke findet man bei Heise oder Golem.

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